Portrait: Päivärinta/Hänni – die Seriensieger

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Im Seitenwagen-Sport sind Pekka Päivärinta und Adolf Hänni in den letzten Jahren das Maß der Dinge gewesen. In der IDM Sidecar entwickelte sich das finnisch-schweizerische Duo zu Seriensiegern – und staubte den Titel 2012 ab. Bei sieben von acht Läufen ernteten sie die maximale Punktzahl von 25 Zählern für den Sieg.

Und trotzdem würden Päivärinta/Hänni die Saison 2012 nicht als „perfekt“ beschreiben, dazu gab es zu herbe Rückschläge – wenngleich die in der Weltmeisterschaft passierten. Nachdem man dort 2010 und 2011 den WM-Titel zwei Mal in Folge hatte feiern können, reiste man mit intakten Chancen auf den Hattrick nach Frankreich zum Finale. Dort aber verloren sie nicht nur die WM-Krone, sondern mussten auch einen folgenschweren Unfall hinnehmen – Adolf Hänni verletzte sich schwer und das Finale der IDM in Hockenheim fiel damit auch flach.

Neu war 2012 auch, dass von den acht Meisterschaftsläufen der IDM Sidecar nur deren sechs direkt im Rahmen der IDM ausgetragen wurden – bei den Läufen auf dem Nürburgring und im niederländischen Assen waren die Gespanne nicht mit von der Partie. Grund dafür waren Terminüberschneidungen mit der FIM Superside Weltmeisterschaft. Daher wurden die verbleibenden zwei Wertungsläufe für die deutsche Meisterkrone mit zweiten Läufen auf dem Schleizer Dreieck (im Rahmen der WM) und in Oschersleben (beim Sidecar-Festival) ausgetragen. Doch auch dort gingen Päivärinta/Hänni als Sieger hervor.

Es war der dritte gemeinsame Titel von Päivärinta/Hänni in der IDM, 2010 und 2011 hatte das Duo auch gemeinsam die Weltmeisterschaft erobert. Für Hänni war 2012 die 30. aktive Saison im Seitenwagen-Sport – 1983 hatte der heute 57-jährige seinen ersten GP als Beifahrer in Spa bestritten. Seither holte er unzählige Rennsiege. Zwischen 1998 und 2000 wurde er mit dem Österreicher Klaus Klaffenböck drei Mal Vize-Weltmeister. Doch seinen großen Traum vom WM-Titel konnte sich der Schweizer erst 2010 zusammen mit Päivärinta erfüllen – im Alter von 55 Jahren. Hänni ist jung geblieben und macht noch heute den Rookies und „Jungspunden“ der Szene gewaltig etwas vor.

Der selbstständige Malermeister Pekka Päivärinta aus Finnland hat bereits drei WM-Titel in der Seitenwagen-Szene feiern können, zwei davon mit Hänni, einen mit Timo Karttiala. Im Jahr 2009 verbündete sich Päivärinta mit Hänni und das Duo holte auf Anhieb den Vize-WM-Titel. 2010 wurde man auch Gesamt-Dritter der IDM Sidecar, obwohl man zwei Rennen nicht fahren konnte – Terminüberschneidung mit der WM, wo man den ersten Platz abräumte. 2011 und 2012 folgten zwei weitere IDM Sidecar-Titel für das finnisch-schweizerische Duo.

280 Pekka Adolf2In Hockenheim konnte man 2012 nicht mehr an den Start gehen – Päivärinta blieb zu Hause, Hänni kam im Rollstuhl zur Rennstrecke, nachdem er sich selbst aus dem Krankenhaus entlassen hatte. „Ich habe mir das Saisonende ganz anders vorgestellt“, sagte er damals. „Ich war aber das erste Mal in der Startaufstellung nicht nervös“, scherzte er. „Aber Ende der zweiten Runde habe ich beim Zuschauen dann wieder gedacht: Die Nervosität ist wieder da.“

„Es war eine Spitzensache in Le Mans, wir sollten eigentlich gewinnen – nur wer dort gewann, wurde Weltmeister“, blickte Hänni auf das WM-Finale eine Woche vor Hockenheim zurück. „Birchall hat es dort etwas übertrieben und wir sind hängen geblieben. Der Kotflügel flog uns Weg und Pekka wollte so schnell wie möglich in die Boxengasse zurück, um einen neuen abzuholen. Nach vielleicht 300 Metern wollte ich ein wenig mein Gewicht verlagern, er war zu schnell, haut in die Eisen und ich flieg ins Rad. Ich habe mich dann über das Motorrad überschlagen und Pekka ist noch über meinen Fuß gefahren. Dann habe ich mich ins Kiesbett gebohrt. Jetzt habe ich das Fußgelenk und das Sprunggelenk zertrümmert, die Rippen sind weg und die Schulter ist operiert. Bei einem so alten Mann wie mir dauert das jetzt bestimmt etwas länger, ehe alles geheilt ist.“

„Ich möchte mich noch bei allen Leuten bedanken, die da sind – bei den Fans, den Sponsoren und so weiter. Das ist eine super Sache. Ich werde nächstes Jahr keine IDM mehr fahren. Ich bin jetzt 30 Jahre IDM gefahren und die Weltmeisterschaft. Ich habe vor 28 Jahren meinen ersten IDM-Lauf gewonnen – gegen Senior Steini, Schwärzel und Co. Ich habe eine ganz schöne Karriere, aber leider auch 30 Knochenbrüche. Es war eine ganz schöne Zeit. Ich weiß noch nicht, wie es weiter geht, auch finanziell. Für mich ist die IDM auf der Welt aber die schönste Serie! Vielen Dank!“

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