Mit der Superbike-Elektronik auf WM-Niveau

Warning: A non-numeric value encountered in /var/www/superbike-idm.de/html/wp-content/plugins/justified-image-grid/justified-image-grid-core.php on line 9205

Marvin Fritz kennt seine Yamaha YZF-R1M bereits. Mit ihr war er im Vorjahr schon bei der SUPERBIKE*IDM am Start. Da allerdings noch in der Klasse Superstock 1000. Fritz, der seine Einsteiger-Saison auf Platz 4 beendete, wird in der kommenden Saison wieder auf seinem bisherigen Motorrad sitzen. Auch im Team Bayer Bikerbox Langenscheidt bleibt alles beim Alten und Cheftechniker Sepp Buchner hat in Sachen Technik das Sagen. Dennoch wird in der neuen Saison alles anders. Denn für Marvin Fritz und seine Mannschaft heisst es in Zukunft Superbike statt Superstock 1000.

Bevor es am 1.Mai auf dem Lausitzring zum ersten Mal um die begehrten Meisterschaftspunkte geht, gibt es im Team noch viel zu tun und auch der eine oder andere Testkilometer muss noch abgespult werden, bevor alles sitzt. Den ersten Roll-Out hat das Team schon absolviert. Die nächsten Tests sind in Planung. Sepp Buchner erklärt, wie in seiner Werkstatt aus einer Standard-Yamaha ein Superbike auf SUPERBIKE*IDM-Niveau wird.

Wann und wie ist die Yamaha in der Werkstatt angekommen?
Die Yamaha kommt als ganz normales Serienbike bei uns an. Sie wird in einer Kiste geliefert und im Motor sind keine Flüssigkeiten, auch die Batterie ist nicht geladen. Man kann also nicht auspacken und losfahren. Genauso kriegen auch die Händler die Motorräder geliefert. Wir haben für dieses Jahr aber keine neuen Motorräder, sondern fahren mit den beiden aus dem Vorjahr. Unser Einsatzbike aus der Superstock-1000-Kategorie 2015 wird jetzt unsere Notreserve. Das andere bauen wir neu auf.

Was war deine erste Amtshandlung als Cheftechniker?
Würde ich mit mehreren Mechanikern zusammenarbeiten, würde ich einen Plan erstellen. Aber ich bin ja allein. Als erstes kommt der Kabelbaum raus. Dann geht es soweit, bis am Ende nur noch Rahmen und Schwinge da stehen. Dann beginnt man, das Ganze von Grund auf aufzubauen.

Was sind die größten Baustellen, wenn man aus einem Superstock-Motorrad ein Superbike machen will?
Eindeutig die Elektronik. Es geht eigentlich fast nur darum. Es ist der reine Wahnsinn.

Wie viele Stunden braucht man, um eine Kit-Elektronik ans Laufen zu kriegen?
Es ist schwieriger als gedacht mit der Motec-Geschichte. Denn in Deutschland bekommt man wenig Unterstützung. Als klar war, dass uns keiner so wirklich hilft, haben wir uns auf eigene Füße gestellt. Mein Neffe Andi Pfaffinger, von Beruf Maschinenbau-Ingenieur, hat sich damit befasst. Als normaler Mechaniker kann man das nicht so einfach. Anfang Dezember hat er begonnen, einen Kabelbaum zu zeichnen. Dann hat er cirka zwei Monate daran gebaut und seit zwei Wochen sind wir Tag und Nacht auf dem Prüfstand. Es dürften bis jetzt etwas 260 Stunden zusammengekommen sein. Das Verstehen der ganzen Sachen beginnt mit der Zeichnungsphase. Man kann sich natürlich auch extern einen Kabelbaum bauen lassen. Das kostet entsprechend. Von Motec erhält man das Steuergerät und zwei DinA4-Datenblätter. Damit kommt man nicht weit. Es existiert jetzt kein Handbuch oder so. Motec gibt es in Deutschland eher selten. In England fährt jeder Zweite damit. Wir wurden jetzt eben ins kalte Wasser geworfen. Aber Andi wir auf jedem Rennen dabei sein.

Was durftest du sonst noch ändern?
Unser Fahrwerk ist zum Vorjahr gleich geblieben. Das Innenleben der Gabel darf man ja auch schon im Superstock-1000-Reglement ändern. Man könnte noch die Bremspumpe ändern. Aber wir bleiben bei der Originalpumpe. Der Motor wird noch mit den Kit-Nockenwellen ausgerüstet. Das bringt vielleicht drei, vier PS.

Wie viel Mehr an Leistung bringt so eine Elektronik?
Es geht dabei weniger um die Leistung, sondern um die bessere Feinabstimmung in allen Bereichen. z.B. dass Marvin früher ans Gas gehen kann. Es geht darum, die eh schon vorhandene Leistung besser umzusetzen. Viele PS bedeuten ja nicht gleich eine schnelle Rundenzeit. Die Yamaha ist mit 200 PS angegeben. Das muss man erst mal auf der Strecke umsetzen.

Den ersten Test habt ihr schon hinter euch. Was steht jetzt noch alles auf der To-Do-Liste?
Wir müssen noch die Motoren aufbauen. Und natürlich die Feinabstimmung für Marvin. Dafür brauchen wir noch viele Kilometer und bewegen uns dann in kleinen Schritten in die richtige Richtung. Auch der Fahrer muss viel lernen. Beim Superstock-Motorrad gab es bei der Elektronik vielleicht ein oder zwei Abstufungen, oder den Schalter ein und aus. z.B. bei der Traktions- oder Wheelie-Kontrolle. Jetzt kann man alles in alle Richtungen drehen und wenden. Wir haben uns das alles selber beigebracht und so wird das auch weiterlaufen.

Was wollt ihr beim nächsten Mal noch testen?
Einfach alles ausprobieren.

Was ist bei dem Einstieg in der Superbike-Klasse für dich als Techniker die größte Herausforderung?
Sicherlich die Elektronik. Auch der Zeitaufwand und die Präzision, mit der das Einstellen möglich ist. Daraus resultiert natürlich eine wahnsinnige Datenflut, die man auswerten muss. Aber das alles ist eine reizvolle Aufgabe. Wir sind damit auf WM-Niveau unterwegs. Ausserdem ist es für uns eine Investition in die Zukunft.

 

 

Related posts