Marvin Fritz: Der Weg aus der Krise

marvin fritz 30006.06.2014

Nach zwei IDM-Wochenenden, eins auf dem Lausitzring und eins in Zolder, heisst der Führende der Supersport-Klasse Marvin Fritz. Mit einem Doppelsieg war der 21-jährige Yamaha-Pilot vom Team Bayer Bikerbox Racing in die neue Saison gestartet. Nach zwei weiteren Podestplätzen in Belgien, hat sich Fritz 90 von 100 möglichen Punkten gesichert und hat sich damit in die Rolle eines ernst zu nehmenden Titelkandidaten gefahren.

Doch das war nicht immer so. Marvin Fritz, der lange Jahre in der IDM 125 unterwegs war, hat harte Zeiten hinter sich, die ihm wenig Erfolg eingebracht haben. Doch er hat einen Weg herausgefunden aus der Krise und spielt wieder ganz vorne im IDM-Geschehen mit.

Für SUPERBIKE’*IDM erzählt Fritz, wie es ihm in den letzten Jahren ergangenen ist und wie er den Weg zurück an die Spitze gemeistert hat.

Es lief eine ganze Weile ziemlich schlecht bei Dir. Was war los?

Im Jahr 2010, bei der IDM 125, hatte ich in der Aufwärmrunde einen schlimmen Unfall mit dem Niederländer Jordy Prins. Danach ging es bergab. Ich musste das alles im Kopf geregelt kriegen und hatte noch bis ins Jahr 2012 mit Nackenschmerzen zu kämpfen. Im Jahr 2012 bin ich dann in der Superstock-EM gefahren. Dort ist das erste Jahr schwer. Man kennt keine der Strecken und hat wenig Fahrzeit. Auch das ganze Budget immer zusammen zu bringen, ist ein Problem. Ende des Jahres ist dann noch mein grösster Sponsor in die Insolvenz gegangen. Im Jahr 2013 bin ich drei Supersport-Rennen für das Benjan Team gefahren. Aber da war auch für nichts Geld da und ich konnte nie zeigen, was ich kann.

Wie war der Unfall mit Jordy Prins für Dich und wie ist die Lage heute?

Es passierte in der Aufwärmrunde. Ich fuhr auf der Gegengeraden ganz rechts, war fast auf der weissen Linie. Er kam um die Ecke, hat wohl auf den Drehzahlmesser geschaut und ist mir ins Motorrad gefahren. Ich brach mir das Schlüsselbein und er erlitt Kopfverletzungen. Ich stand anschliessend mit den Eltern in Kontakt und schreibe heute auch noch ab und zu mit Jordy. Über die Frage der Schuld denkt man manchmal nach. Aber er hat es für sich abgehakt und ich für mich auch. Ich bin aber froh, dass es ihm heute wieder besser geht.

Wie hat das mit der Motivation in den harten Jahren geklappt?

Für mich selbst habe ich immer gewusst, dass ich es kann. Als ich Ende letzten Jahres nach Hockenheim kam, waren meine Rundenzeiten gar nicht so schlecht. Aber man braucht in so einer Zeit viel Selbstvertrauen. Im Jahr 2012 bin ich ja keine IDM gefahren, danach war ich da irgendwie abgeschrieben. Bei dem IDM Rennen 2013 hat kaum einer mit mir geredet. Aber ich habe einfach immer weitergemacht.

Hast Du mal mit dem Gedanken gespielt, aufzugeben?

Ja letztes Jahr. Die Sache mit dem Geld und den Sponsoren ist immer ein Problem. Ich mache das ja über den Winter alles selbst. Und wenn man das fehlende Geld im Kopf hat, bremst das auch.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit deinem jetzigen Teamchef Sepp Buchner?

Ich stand beim Dunlop-Test 2013 in Albacete mit ihm und seinem damaligen Fahrer Luca Grünwald in der Box. Da haben wir uns kennengelernt. Als das bei Luca dann plötzlich mit dem GP-Einstieg klappte, haben Sepp und ich geredet. Ich bin dann gleich hingefahren und wir waren uns schnell einig.

Was ist das Erfolgsrezept in eurem Team?

Es passt einfach alles zusammen. Sepp Buchner steht voll hinter mir. Bei der Abstimmung des Bitubo-Fahrwerks kriegen wir viel Unterstützung von alpha Technik. Die Leistung vom Motorrad passt und die Jungs von Pirelli sind auch super. Dann läuft es einfach.

Wie war der Doppelsieg auf dem Lausitzring für Dich?

Das hatten wir so nicht erwartet. Ich dachte, es läuft so ähnlich wie bei Luca Grünwald und wir hatten einen Podestplatz angepeilt. Die Testfahrten in Spanien liefen schon super. Und das alles, obwohl der Lausitzring so gar nicht meine Strecke ist. In der IDM 125 war ich immer einer der grössten und schwersten Fahrer. Wenn dann auf die Gegengerade raus so ein kleiner Philipp Öttl kam, war es aus. Mit der Yamaha in der Supersport-Klasse ist das schon was anderes.

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