Marco Nekvasil: Ein Doppelsieger stellt sich vor

Als der Österreicher Marco Nekvasil beim IDM-Auftakt auf dem Lausitzring mit seiner BMW S 1000 RR vom Team Interwetten Racing by Fritze Tuning auftauchte, wusste keiner so recht, wie er den 17-jährigen Österreicher einzuschätzen hatte.

Im Jahr 2012 hatte er zwar den Vizetitel im Yamaha R6-Dunlop-Cup geholt und im Vorjahr im Team von Ex-IDM-Pilot Günther Knobloch für Achtungserfolge in der Superstock-600-EM gesorgt, doch in der IDM Superstock 1000 war er ein Unbekannter.

Das hatte sich spätestens dann geändert, als sich der Teenager mit seiner Stocksport-BMW auf dem Lausitzring nach dem Qualifying unter den schnellsten neun Piloten, gemeinsam mit den IDM Superbike-Fahrern, wiederfand und auch flott bei der Superpole mitmischte.

Nachdem er bei der Auftaktveranstaltung beide Rennen der IDM Superstock 1000 gewinnen konnte, einmal mit 18 und einmal mit 19 Sekunden Vorsprung vor den nächsten Superstock-Piloten, hatte sich die Sache mit dem unbekannten Österreicher wohl auch erledigt.

Früh übt sich

Mit neun Jahren hatte die Motorradleidenschaft bei Marco Nekvasil um sich gegriffen und über Minibike-Meisterschaft, Spanische Meisterschaft, IDM 125, IDM Supersport und den Yamaha-Cup hatte Nekvasil den Sprung in die Superstock-EM geschafft. Das EM-Projekt mit einer MV Agusta zu bewältigen stellte sich als mühsam heraus.  «Ja wir mussten Lehrgeld bezahlen», erklärt der Österreicher. «Technisch gab es ein paar Probleme und ich kam nicht viel zum Fahren.» Die letzten drei Rennen stieg Nekvasil dann auf eine ihm vertraute Yamaha um und lieferte gleich zwei Top-Ten-Ergebnisse ab.

Genützt hat ihm dieser Erfolg wenig. Günther Knobloch sperrte seinen Rennstall zu und ein anderes Team liess sich in der EM nicht überzeugen. Mitte Februar drohte dem Talent sogar eine Zwangspause, da er weder Team noch Budget für eine ganze Saison auf die Beine stellen konnte. «Die einzige Alternative wäre daheimbleiben gewesen», gibt Nekvasil zu.

Erst wenige Wochen vor dem IDM-Saisonstart hatte er alles in trockenen Tüchern und schrieb sich mit dem Team Interwetten Racing by Fritze Tuning, Tuner Fritz Schwarz hat auch die technische Leitung bei den MotoGP-Einsätzen von Martin Bauer,  in der IDM Superstock ein.

Teenager überrascht sich selbst

«Ein bisschen überrascht war ich schon, wie gut am Lausitzring alles geklappt hat», schildert der Doppelsieger. «Ich kannte ja keinen meiner Gegner. Aber ich habe mich auf mich selbst konzentriert und ein wenig geschaut, was die Superbiker so machen.» Das Rezept ging auf und Nekvasil führt die IDM Superstock 1000 mit der Maximalzahl von 50 Punkten an.

Vorbereitet wurde die BMW S 1000 RR von Nekvasils Landsmann Fritz Schwarz. Um alle Angelegenheiten vor, auf und nach den Rennen muss sich der Teenager gemeinsam mit seinem Vater selber kümmern.  «Von Beginn meiner Karriere an, ist mein Papa auch mein Mechaniker», erklärt der IDM-Pilot. «Er hatte früher selber ein Motorradgeschäft und kennt sich gut aus. Bei unserem WP-Fahrwerk werden wir von Andi Vogt unterstützt.»

Das Motorrad wird zwei, drei Mal im Jahr in die 300 Kilometer entfernte Werkstatt von Fritz Schwarz transportiert und einem grossen Kundendienst unterzogen. Auf den Rennen selbst kann das eine oder andere auftretende Problem auch per Telefonkonferenz zwischen Nekvasil und Schwarz aus der Welt geschafft werden.

Für Nekvasil, der in der Nähe von Wien zuhause ist, schlagen schon die Fahrtkosten zu den IDM-Rennen kräftig zu Buche. «Ich gehe mal davon aus, dass wir die Saison durchfinanzieren können», erklärt er. «Aber war Gröberes darf da nicht kommen. Das wäre eine Katastrophe.»

Nebenbei ist der 17-Jährige, der vor kurzem erfolgreich die Schule beendet hat, noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Gerne darf’s ein technischer Beruf werden. Jetzt liegt aber erst einmal die volle Konzentration auf dem nächsten IDM-Lauf. «In Zolder kenne ich mich noch gar nicht aus», erklärt er unumwunden. «Aber das ist kein Problem.»

Nach der glänzenden Vorstellung vom Lausitzring sollte man ihm das mal lieber glauben.

 

 

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