Luca Grünwald: Titelkandidat im Notprogramm

In der Zwischenzeit haben Michael und Carsten Freudenberg einen illustren Fuhrpark zu Hause in Bischofswerda stehen. In den vielen Jahren ihres Engagements in der SUPERBIKE*IDM, angefangen über die IDM 125, Moto3, Yamaha Cup, Supersport und Superstock 1000, hat sich so einiges an Zweirädern angesammelt. «Und zwanghaft verkaufen müssen wir die Sachen nicht», meint Michael Freudenberg. «Wer weiß, manchmal will einer mal eine Probefahrt machen oder wir können aushelfen.» Für SUPERBIKE*IDM-Pilot Luca Grünwald entpuppte sich dieser Fuhrpark, gepaart mit Freudenbergs Leidenschaft für Motorsport und Nachwuchs, zum vorläufigen Rettungspaket für die Saison 2016.

Luca Grünwald erscheint vielen schon als alter Hase im harten Rennsport-Geschäft. Immerhin hat er schon drei Titel, ADAC Junior Cup, IDM 125 und IDM Moto3, eingefahren. Ein Top-Ten Platz beim WM-Lauf am Sachsenring steht ebenso in seiner Vita wie eine komplette Saison in der Moto3-WM. Im Vorjahr kam dann der Umstieg in die Klasse Superbike. Doch tatsächlich ist Grünwald erst 21 Jahre alt und hat damit sein Rennfahrerleben noch vor sich. Allerdings stand die SUPERBIKE*IDM-Saison 2016 lange auf wackligen Beinen. Eine weitere Saison im Team Weber-Diener ließ sich für Grünwald nicht finanzieren und es drohte schon das vorzeitige Aus.

«Natürlich haben wir diese Problematik mitgekriegt», erklärt Freudenberg. «Wir hatten auch von anderer Seite zahlreiche Anfragen, aber im Jahr 2016 wollten wir uns ganz auf die Moto3 konzentrieren. Doch zuhause hatten wir noch die Yamaha R1 stehen, mit der im Vorjahr Lukas Trautmann unterwegs war.» Zuschauen, wie die Karriere von Luca Grünwald sang- und klanglos zu Ende geht, wollten die Freudenbergs dann auch nicht. Immerhin hatte man schon in der Vergangenheit drei Jahre zusammen gearbeitet und war gemeinsam Meister geworden.»

«Wir kennen uns gegenseitig», meint Freudenberg, «und da kann man offen reden. Wir haben dann mal die ersten beiden Rennen geplant und schauen, wie es dann weiterläuft. Menschlich sind wir auf einer Wellenlänge. Und wir schauen bis heute nach den Jungs, die mal bei uns im Team gefahren sind. Wir fiebern auch mit, wenn Dominique Aegerter in der Moto2-WM unterwegs ist. Er war damals 13 Jahren alt, als er zu uns ins Team gekommen ist.» Für das Team Freudenberg bedeutet der IDM-Einsatz mit Grünwald einen gehörigen Arbeitseinsatz. Die Technik hat Lars Sänger übernommen und auch sonst ist die Freudenberg-Mannschaft in der Lage, das kurzfristig angesetzte Projekt materiell und personell zu stemmen.

«Wir sind ja auch nicht erst seit gestern dabei», erklärt Freudenberg. «Da haben wir natürlich auch einen guten Kontakt zu unseren Partner und Sponsoren. Wenn man entsprechende Erfolge vorweisen kann, sind die auch bereit, einem gute Konditionen zu gewähren oder Kompromisse einzugehen. Auch zwischen Luca und uns gibt es da keine Geheimnisse. Er ist ein toller Mensch, versteht was von der Technik und packt überall mit an.»

Erfolgreich angepackt hat Grünwald auch die Saison der SUPERBIEK*IDM 2016. Als Führender der Superstock 1000-Klasse und seinem ersten Sieg in dieser Kategorie reist Grünwald zum nächsten Event an den Nürburgring. Und dann? Das Team Freudenberg will versuchen, die Saison durchzuziehen. «Aber ein wenig zusätzliche Unterstützung würde nicht schaden», erklärt die Chefetage. An Grünwalds Leistung und Einsatzwillen scheitert es auf jeden Fall nicht.

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