Jörg Teuchert: «Ich gebe noch gerne Gas»

In der Saison 2012 war der Supersport-Weltmeister aus dem Jahr 2000 noch selber im Rahmen der SUPERBIKE*IDM auf dem Schleizer Dreieck unterwegs. Auch nach seinem Rücktritt ist Jörg Teuchert dem Sport verbunden geblieben und schaut jedes Jahr bei dem einen oder anderen Rennen vorbei. Zuletzt am SUPERBIKE*IDM-Wochenende in Schleiz, wo er zusammen mit Bernd Fulk als Kommentator beim Rennen der Klasse Superbike/Superstock 1000 zumindest verbal kräftig mitmischte. Teuchert muss es wissen, war er doch in den Jahren 2006 und 2009 selber Deutscher Meister.

Hast Du noch lebhafte Erinnerungen an dein letztes Rennen auf dem Schleizer Dreieck?
So lange ist das ja noch nicht her. Im ersten Lauf bin ich gleich mal in der ersten Runde gestürzt. Das Rennen hat dann Matej Smrz gewonnnen, vor Troy Herfoss und Karl Muggeridge. Ich bin unten in der Schikane gestürzt. Da gibt es beim Übergang von der Straße in die Schikane so einen Bitumenstreife. Da bin ich zu spitz rein, ich glaube Dario Giuseppetti war da vor mir. Ich war zu lange auf diesem Gummistreifen und dann ist mir ohne auf der Bremse zu sein das Vorderrad eingeklappt. In der ersten Runde zu stürzen habe ich in meiner Laufbahn echt selten geschafft.

Hat sich dein Leben ohne Rennsport sehr verändert?
Nein, nicht entscheidend. In den letzten drei Jahren auf keine Fall. Ich habe meinen Fahrradladen und bin, wenn es die Zeit erlaubt, bei allem dabei, was zwei Räder und eine Zielflagge hat. Ich bin als Instruktor mit dem Motorrad unterwegs und biete auch Rennstrecken-Trainings an. Aber geschäftlich mache ich eben mehr mit meinem Laden. Als Instruktor könnte ich sogar mehr machen. Aber ich habe ja auch noch eine Familie und da kann ich nicht permanent unterwegs sein. Meine Töchter sind jetzt 8 und 10. Da muss man morgens um 6 Uhr raus, egal was am Tag vorher war. Aber ich habe lieber zu viel Arbeit als zu wenig. Ab und an fahre ich eben auch mit dem Motorrad und da gebe ich dann schon gerne Gas.

Hattest Du bei Deinem Schleiz-Besuch irgendwelche Begegnungen der anderen Art?
Es war eigentlich geplant, am Samstag mit dem Rad zu kommen. Aber weil das Wetter so schön war, bin ich mit meinen Töchtern ins Freibad gegangen und wir sind Sonntags mit dem Auto gekommen. Die SUPERBIKE*IDM ist ja eher ein kleiner Zirkus und per Telefon und Whatsapp hat man ja doch noch zu dem einen oder anderen Kontakt. Ich habe bei meinen Besuchen immer ein paar Anlaufstellen. Ich schaue beim Team Laux vorbei, bei den Dunlop-Jungs, bei Michael Galinski und Jens Holzhauer. Dann haben wir auf dem Buchhübel ein wenig Rennen geschaut. Als nach dem zweiten Superbike-Lauf der große Regen kamen, ging es huschhusch wieder nach Hause.

Wie schätzt Du die Ergebnisse der Superbike- und Superstock 1000-Piloten ein?
Wenn man die Rundenzeiten so anschaut, ist das schon stramm, was die da machen. Die Strecke hat sich ja nicht sehr verändert und wenn man in der letzten Runde noch eine 1.25 tief fährt, ist das schon flott. Ich bin damals 25 hoch und 26 tief gefahren. Das ist schon ordentlich. Und Schleiz ist durch die schnellen Passagen die Seng runter schon speziell. Da braucht man nicht nur Mut sondern auch Kraft. Es ist körperlich extrem anstrengend, wenn man das Motorrad unter Volllast da rumwuchten muss. Und langsam fahren ist ja prinzipiell blöd.

Hast Du beim Kommentieren die Lust verspürt, doch lieber selber mitzufahren?
Lust zum Motorradfahren verspürt man immer. Es muss ja nicht gleich da sein. Wenn es sich mal so ergeben würde, warum nicht. Aber dann der ganze Akt mit zum Doktor rennen und Lizenz beantragen. Und das wegen einmal fahren? Mir reicht meine C-Lizenz, um die 1000 Kilometer Hockenheim mitzufahren. Ich habe mir von Galinski jetzt ein schnelles Moped machen lassen. Damit schaffe ich in Oschersleben noch die 1.30. Also klappt es noch. Ich weiß ja, was ich mal konnte und es wäre vielleicht eine Enttäuschung, wenn es jetzt nicht mehr so toll läuft. Dann lieber die guten Erinnerungen. Demnächst bin ich wieder bei einem Training in Oschersleben. Aber reinbomben will ich da nicht. Ich fahre inzwischen mit 20 Prozent Sicherheitspolster. Der Spaß steht im Vordergrund.

Hast Du seit deinem Karriereende vor vier Jahren irgendwelche Veränderungen in der Serie festgestellt?
Früher war ich innen drin im Ganzen, jetzt sehe ich es nur noch von außen. Außer in der Superstock 1000-Klasse fehlt es ein wenig an Masse. Die Superbike-Klasse ist trotzdem spannender, auch für Fahrer und Teams. Die Superstock ist jetzt so voll wie früher die Superbike. Leider fehlen die Nachwuchsklassen. Für mich gehört der ADAC Junior Cup und die Moto3 in die IDM. Man versucht die Lücke, mit anderen Klassen zu füllen. Die IG Königsklasse finde ich noch ganz gut, denn das passt zur Historie. Aber leider fehlen zwei Klassen, das hat einen faden Beigeschmack.

Stell Dir vor, Du wärest der SUPERBIKE*IDM-Chef und Geld würde keine Rolle spielen. Was würdest Du tun?
Mit Geld kann man sich ja fast alles kaufen. Was man in der Serie braucht, sind volle Starterfelder. Ich würde gar nicht zuerst in einen Livestream oder in die Medienarbeit investieren, sondern ganz vorne anfangen. Man muss eine Basis schaffen, um die entsprechende Aufmerksamkeit zu kriegen. Ich würde Klassen und Leute unterstützen, die auch tatsächlich dahin gehören. Dann würde ich mir die Moto3 Klasse kaufen und dann den Junior Cup. Und dann würde ich die Leute ausmisten, die keine Ahnung haben. Die SUPERBIKE*IDM braucht klare Strukturen und einen Häuptling. Und bei möglichen Interessenkonflikten würde ich auch ausräumen. Die Klassen müssen ausgewogen sein und die Jugend braucht eine Plattform und keinen NEC, von dem keiner weiß, wo die genau fahren. Ich würde auch Zulieferer aus der Industrie mit dabei haben wollen, die den Markt versorgen. Man braucht einfach eine geile Meisterschaft, dann passt das. Momentan fehlen der Serie leider auch ein wenig, die Stars, was ich ausdrücklicht nicht böse meine. Aber es gibt viele Junge und da fehlt das Zugpferd. Die Teenager machen zum Teil einen super Job. Aber egal wo man hinschaut, auch in die MotoGP oder die Superbike-WM, fehlt es an charismatischen Typen, denen es nicht nur wichtig ist, aufgestylte Bilder bei Facebook zu posten. Es gibt viele Möglichkeiten, um am Ende eine Top-Meisterschaft zu haben.

 

© Foto: www.joergteuchert.de

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