Heißes SUPERBIKE*IDM-Wochenende in Ungarn

Bei der SUPERBIKE*IDM auf dem Hungaroring vor den Toren Budapests waren die Temperaturen mit weit über 30 Grad hochsommerlich. Heiß waren auch die Kämpfe, die sich die Piloten auf dem Grand-Prix-Kurs lieferten. Superbike-Champion Xavi Forés (Ducati) holte in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit BMW-Pilot Markus Reiterberger seinen ersten Saisonsieg, nachdem er diesem im ersten Rennen abermals den Vortritt lassen musste.

Forés und Reiterberger teilen sich Superbike-Siege
Ducati-Pilot Xavi Forés (3C-Racing Team) hatte an diesem Wochenende ein gutes Gefühl. Auf dem Hungaroring sollte es endlich mit einem Sieg in der Klasse Superbike klappen. Die Zeichen dafür standen nicht schlecht: Forés holte sich zum ersten Mal in dieser Saison die Pole-Position, wenn auch mit lediglich 0,010 Sekunden Vorsprung vor Markus Reiterberger (Van Zon-Remeha-BMW) denkbar knapp. Forés‘ Teamkollege Lorenzo Lanzi startete von Position drei, Reiterbergers Teamkollege Bastien Mackels von der vier. Team Yamaha MGM musste am Hungaroring auf beide Fahrer verzichten. Damian Cudlin verletzte sich bei einem Sturz im ersten Qualifying und konnte nicht in den Rennen antreten. Max Neukirchner kam aufgrund seines Oberschenkelhalsbruchs erst gar nicht nach Ungarn. In beiden Rennen lieferten sich Reiterberger und Forés einen eindrucksvollen Kampf um die Spitze. Reiterberger hatte zunächst Mühe, an Forés dranzubleiben – die sechs Kilo Zusatzgewicht aufgrund der „Balance-of-Performance“-Regel machten sich offensichtlich bemerkbar. Doch mit jeder Runde wurde der Tank leerer und die BMW schneller. Dahinter ging es zwischen Lanzi und Mackels nicht minder heiß her. Der Belgier attackierte Lanzi wiederholt, kam aber nicht an ihm vorbei. Im Kampf um seinen ersten Podiumsplatz stach Mackels seinem Kontrahenten in der letzten Runde innen rein und stürzte. Lanzi überstand die Attacke und fuhr davon. Nachdem sich Forés und Reiterberger an der Spitze abgewechselt hatten, fuhr Reiterberger den Sieg nach Hause.

Im zweiten Rennen starteten die Ducati-Piloten vom 3C-Racing Team erneut stark. Forés führte das Feld an, gefolgt von Lanzi und Reiterberger. Als Lanzi in der zweiten Kurve weit ging, konnte Reiterberger vorbei und nahm Kurs auf Forés, der bereits Boden gutgemacht hatte. Lanzi verlor den Anschluss an die Spitze und bekam es erneut mit Mackels zu tun, der in Runde sieben an ihm vorbeiging. Forés und Reiterberger wechselten sich mehrmals an der Spitze ab. In der letzten Runde gab Reiterberger nochmals alles, um an dem Spanier vorbeizugehen, blieb aber erfolglos. Forés brachte seinen ersten Saisonsieg vor den BMW-Piloten Reiterberger und Mackels nach Hause. Für Mackels war es die erste Podiumsplatzierung der Saison.

Xavi Forés: „Das war ein wirklich hartes Rennen. Ich war so enttäuscht, dass es im ersten Lauf nicht mit dem Sieg geklappt hatte. Also änderte ich meine Strategie und ließ Reiti vorbei, um ihn zu lesen. In der letzten Runde lag ich vorn und er versuchte, an mir vorbeizukommen. Aber ich war später auf der Bremse. Ich bin sehr glücklich. Es war wichtig für uns, jetzt zu gewinnen.“

Markus Reiterberger: „Wir haben ein schönes Spielchen gemacht. Ich habe alles gegeben und bin kontrolliert ans Limit gegangen. Ich dachte, ich kann ihn in der letzten Runde nochmal packen. Der Kampf war absolut geil.“

Bastien Mackels: „Das war das zweite Rennen, das ich in dieser Saison zu Ende gefahren habe und mein erster Podiumsplatz. Gerechnet habe ich damit nicht und jetzt bin ich einfach nur glücklich. Nach und nach lerne und verstehe ich die neue BMW.“


Superstock 1000: Gines und Fritz ganz vorn

In der zweiten Startreihe des kombinierten Superbike/Superstock 1000-Feldes standen mit Marvin Fritz (Bayer-Bikerbox Racing), Stefan Kerschbaumer (Leitwolf.cc Racing) und Michal Filla (BMW Sikora Motorsport) drei Stockfahrer. Die bisherigen Favoriten Mathieu Gines (Langenscheidt Racing by Fast Bike Service) und Roman Stamm (Kawasaki Schnock Team Motorex) mussten von Position neun respektive 13 ins Rennen gehen. Fritz legte einen starken Start hin und führte das Superstock 1000-Feld an. Für den Trainingsschnellsten Kerschbaumer war das Rennen nach einer Kollision mit Matej Smrz schon in der ersten Runde zu Ende. In der sechsten Runde verabschiedete sich dann auch Michal Filla aus dem Rennen, Marvin Fritz rollte kurze Zeit später aufgrund einer defekten Zündspule an die Box. Jetzt war der Weg frei für einen Kampf um den Sieg zwischen Gines, Stamm und Lukas Trautmann (Freudenberg Racing Team). Stamm ging zwei Mal an Gines vorbei, musste aber jedes Mal durch ein eigenes „Missgeschick“, wie er sagte, die Führung abgeben. Die Hitze machte es den Fahrern schwer. Die besten Karten hatten die, die mit den schmierenden Reifen klar kamen. Am Ende entschied Gines das Rennen vor Stamm und Trautmann für sich.

Auch im zweiten Durchgang schoss Marvin Fritz am Start davon und bremste sich zwischenzeitlich sogar an Superbike-Pilot Lanzi vorbei auf Position drei des Gesamtfeldes. Fritz versuchte, mit den Superbike-Fahrern mitzuhalten. Nach ihm kam aus der Stocksport-Wertung lange niemand. Kerschbaumer stürzte in der fünften Runde erneut und konnte nach den perfekten Trainings-Sessions keine Punkte am Hungaroring mitnehmen. Mit Gines, Stamm und Filla bildete sich eine Dreiergruppe, die um den zweiten Platz kämpfte. Stamm schaffte es schließlich, an Gines vorbeizugehen und den zweiten Platz heimzufahren. Damit hatte der Schweizer sein Ziel erreicht, Punkte auf den Meisterschaftsführenden Gines gutzumachen. Für Fritz war es der zweite Sieg der Saison.

Mathieu Gines nach dem Sieg: „Es war ein sehr harter Tag für ein Rennen. Ich habe gebraucht, um mich an den Kurs zu gewöhnen. Aber jetzt hatte ich ein gutes Gefühl.“

Marvin Fritz nach dem Sieg: „Ich habe gebissen wie ein Idiot, um an den Superbikern dranzubleiben. Die Pace war das ganze Wochenende super und nach meinem Sturz am Freitag hat mein Team alles perfekt wiederhergestellt.“


Supersport 600: Bühn und Lauslehto erneut auf Platz eins

„Es wäre mal wieder an der Zeit für einen Sieg“, sagte Jan Bühn (Team Räth-Romero-Yamaha) nach dem Freitagstraining. Ihm liege das Layout des Hungarorings, die vielen Richtungswechsel kämen ihm zugute. Zudem war Bühn, der vergangenes Jahr in der Spanischen Meisterschaft unterwegs war, an die Hitze gewöhnt. Dass für ihn in Ungarn alles passte, bewies er im ersten Rennen eindrucksvoll. Bühn startete von der Pole-Position und konnte sich direkt vom Feld absetzen. Tatu Lauslehto (Team Suzuki Stoneline-Mayer) wurde Bühn erst gegen Ende des Rennens nochmal gefährlich, machte aber im entscheidenden Moment einen Fehler und blieb an Position zwei zurück. Auf Platz drei fuhr Jasha Huber (Kawasaki Schnock Team Motorex), der sich gegen Konstantyn Pisarev und Christian Stange (HPC-Power Suzuki Racing) durchsetzen konnte.

Auch im zweiten Lauf konnte Lauslehto nicht an Bühn dranbleiben. Der baute schnell den Abstand zu seinen Verfolgern aus. Dahinter lagen Lauslehto, Stange und Sarah Heide (Team Suzuki Laux ADAC Sachsen) dicht beieinander. Bühn, der schon einen komfortablen Vorsprung herausgefahren hatte, verlor in der siebten Runde unbedrängt die Kontrolle über sein Vorderrad und stürzte. Nach einer notdürftigen Reparatur der Maschine konnte er wieder raus auf die Strecke und jagte dem Feld hinterher. An der Spitze machte sich Lauslehto aus dem Staub. Stange konnte das Tempo nicht mitgehen und wurde schließlich von Pisarev überholt, der sich zuvor an Heide vorbeigedrückt hatte. Lauslehto gewann deutlich vor Pisarev, Stange und Heide.

Jan Bühn nach dem Sieg: „Das Wochenende verlief absolut reibungslos, ich konnte mich kontinuierlich steigern. Die zweite Qualifikation nutzten wir, um bei ähnlichen Temperaturverhältnissen das Rennen zu simulieren, das hat viel gebracht. Das neue Fahrwerk funktioniert einwandfrei und bringt Konstanz rein.“

Tatu Lauslehto nach dem Sieg: „Mein Start war ganz okay, aber Bühn war schneller als ich. Ich wollte aber nichts riskieren und keine Fehler machen. Als Bühn stürzte, spulte ich meine Runden ab. Die Hitze war für mich kein Problem.“
Moto3: Geitner und Georgi siegen auf dem Hungaroring
Im Rennen der Youngsters aus der Moto3-Klasse übernahm Jonas Geitner (Freudenberg Racing Team) vom Fleck weg die Führung und machte sich aus dem Staub. Dahinter kämpften Geitners Teamkollegen Tim Georgi und Matthias Meggle mit Philipp Freitag (F. Koch Rennsport & Hannes Allwardt) um die Spitze in der Standardwertung. Freitag führte das Feld zwischenzeitlich an. Georgi ließ das aber nicht auf sich sitzen und holte sich die Führung zurück. Meggle ging schließlich ebenfalls an Freitag vorbei. Dicht hintereinander fuhr das Trio ins Ziel. Geitner siegte souverän in der Moto3 GP-Wertung.

Tim Georgi: „Es war brutal anstrengend. Ich bin am Limit gefahren. Dann bin ich Kampflinie gegangen, weil ich mir den Sieg auf keinen Fall mehr nehmen lassen wollte.“

Jonas Geitner: „Das Layout der Strecke ist super und wenn man in Fahrt kommt, läuft es richtig. Jetzt geht es für mich nächste Woche mit einer Wild Card zur MotoGP auf den Sachsenring. In der Moto3 werde ich alles rausholen und versuchen, unter die besten 25 zu fahren.“


Sidecar-Siege für Sattler/Neubert und Gürck/Wechselberger
Nachdem die Saison für Josef Sattler und Uwe Neubert (Sattler Motorsport) bislang noch nicht ganz rund lief, kehrte auf dem Hungaroring das Glück zum amtierenden Meister zurück. Sattler/Neubert dominierten die Trainings-Sessions durchwegs und starteten von der Pole-Position. Im ersten Lauf bekamen sie es gleich mit Gürck/Wechselberger (Polizeisportverein Wels Gürck Racing) zu tun, die nach einem – wie Manfred Wechselberger sagte – „Bombenstart“ von der dritten Position nach vorne schossen und das Feld zunächst anführten. Zwei Runden lang blieben sie Spitzenreiter, ehe Sattler/Neubert nach zwei starken Attacken sauber vorbeizogen und den Sieg holten. Auf Platz zwei landeten Uwe Gürck und Manfred Wechselberger vor Mike Roscher und Anna Burkard (RSC Roscher/Burkhard).

Auch im zweiten Durchgang gingen Gürck/Wechselberger direkt in Führung. André Kretzer und Jens Lehnertz (MSC Freier Grund e.V. im ADAC) positionierten sich an zweiter Stelle, wurden in der fünften Runde aber von Sattler/Neubert überholt, die nur eine Runde später auch an Gürck/Wechselberger vorbei an die Spitze gingen. An vierter Position kamen Mike Roscher und Anna Burkard (RSC Roscher/Burkhard). Die vier Sidecars lagen dicht auf und lieferten sich Runde für Runde einen harten Kampf. Sattler/Neubert konnten die Führung gegenüber Gürck/Wechselberger nicht lange behaupten, attackierten aber weiter. Dahinter lauerten Kretzer/Lehnertz. Die drei Teams lagen innerhalb einer Sekunde. Drei Runden vor Schluss fielen Sattler/Neubert aufgrund von Kühlerproblemen auf Platz vier hinter Roscher/Burkard zurück. Vorne ging es zwischen Gürck/Wechselberger und Kretzer/Lehnertz heiß her. In der letzten Runde drückten die beiden Teams mächtig, um sich aneinander vorbeizuschieben. Kretzer/Lehnertz lagen nach einer harten Attacke schließlich vorn, fuhren in der nächsten Kurve aber zu wenig Kampflinie. Gürck/Wechselberger nutzten die kleine Chance und gingen innen vorbei in Führung. Dabei kam es zu einer Berührung der beiden Sidecars, bei der sich Jens Lehnertz verletzte. Gürck/Wechselberger fuhren die letzten Meter vor Kretzer/Lehnertz und Roscher/Burkard ins Ziel.

Josef Sattler nach dem Sieg: „Die Strecke ist super für Gespanne geeignet und die flüssigen, langgezogenen Kurven machen Spaß. Mit Gürck/Wechselberger haben wir uns einen tollen Zweikampf geliefert und konnten in den technischen Passagen Boden gutmachen.“

Uwe Gürck nach dem Sieg: „Es war ein erfolgreiches Wochenende für uns. André ist ein knallharter Kämpfer und ein ebenbürtiger Gegner. Es tut uns sehr leid, dass sich Jens verletzt hat. An dieser Stelle gute Besserung.“

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