Fabian Kraft: Per Wettbewerb zum SUPERBIKE*IDM-Mechaniker

Geplant hat Fabian Kraft seinen Einstieg in den Motorradsport nicht eine Minuten lang. Trotzdem schwingt der 21-Jährige seit dieser Saison den Schraubenschlüssel bei SUPERBIKE*IDM Pilot Mathieu Gines vom Team Van Zon-Remeha-BMW und legt damit bei der BMW S 1000 RR des aktuell Führenden der Superbike-Klasse Hand an. Kraft, der in der Nähe des baden-württembergischen Tauberbischofsheims zu Hause ist, hatte nach seinem Realschulabschluss eine Lehre zum Zweiradmechaniker absolviert. «Erst wollte ich das gar nicht machen, als ich gehört habe, was man da am Ende verdient», gesteht er. Doch zum Glück kam es Kraft nicht nur auf das Geld an und sein Einsatz während der Ausbildung hat sich gelohnt.

 
Bei seiner Abschlussprüfung aus theoretischem und praktischem Teil ging er als Bester über die Ziellinie. Als Kammersieger ging es weiter zum Landeswettbewerb, wo sich Kraft die Zulassung zum Bundeswettbewerb erschraubte. Das Ganze fand dann 2014 in Freiburg statt. Geprüft wurde das praktische Können. «Es ging um die elektrische Fehlersuche», zählt Kraft auf. «Ich musste ein Gabel zerlegen und eine Bremse auseinander und zusammenbauen.» Am Ende ging Fabian Kraft mit dem Titel für den Gesamtsieg nach Hause.

 
Als Belohnung winkte dem Mechaniker nicht nur ein SUPERBIKE*IDM-Wochenende beim Team Van Zon-Remeha-BMW, sondern Henning Putze legte als Leiter von BMW Motorrad Deutschland noch eine Einladung zur BMW Gala drauf. Dort lernte Kraft dann auch den damaligen SUPERBIKE*IDM Superbike-Piloten Markus Reiterberger und dessen Teamchef Werner Daemen kennen. Als Schrauber-Wochenende suchte man sich das SUPERBIKE*IDM meets DTM-Wochenende am Lausitzring 2015 aus.

 
«Mit Rennsport hatte ich vorher eigentlich nichts am Hut», so Kraft. «Im Fernsehen habe ich mal MotoGP geschaut. Aber von einer SUPERBIKE*IDM wusste ich nichts.» Beim Lausitzring-Wochenende 2015 legte Kraft dann gleich flott los und schraubte gemeinsam mit Tom Reiterberger und Wolfgang Kampe an der BMW von Leader Markus Reiterberger. Dabei stellte sich Kraft so gut an, dass er auf Drängen von Wolfgang Kampe gleich auch beim Finale in Hockenheim mitanpackte. Danach ging alles ganz schnell. Kampe begleitete den neuen Meister Reiterberger in die Superbike-Weltmeisterschaft und hatte mit Kraft seinen Nachfolger im Team gefunden. Seit dieser Saison ist Kraft festes Mitglied im Team Van Zon-Remeha-BMW und für das Bike von Mathieu Gines mitverantwortlich.

 
«Bei dem Angebot von Werner Daemen musste ich nicht lange überlegen», versichert Kraft. «So was  bekommt man nicht jeden Tag. Mit der Arbeit in einer Werkstatt kann man den Rennsport nicht vergleichen. Da wird gewechselt und repariert. Hier geht es auch um Verschleiß und Pflege. Da steht das Motorrad jeden Tag tiptop da.» Im Winter war Kraft beim Aufbau der Motorräder im belgischen Zolder unterwegs und kommt jetzt zum jedem Rennen der SUPERBIKE*IDM. Dazwischen geht Kraft seiner Tätigkeit im Straßenbau nach, wo er ebenfalls für die fahrbare Abteilung zuständig ist. «Ich kann nämlich auch Bagger reparieren», stellt er klar.

 
Vor dem Start seines Schützlings Mathieu Gines in ein Rennen bleibt Kraft gelassen. «Warum soll ich nervös sein», fragt er. «Mathieu wird’s schon richten.» Sein größtes Interesse sieht Kraft im Bereich der Motortechnik, bei der SUPERBIKE*IDM nur bedingt erlaubt. Elektronik lässt dagegen sein Herz weniger hochschlagen. «Hier im Team sind Menschen aus vielen verschiedenen Ecken unterwegs», beschreibt Kraft  seinen Job. «Rennsport sehe ich inzwischen mit anderen Augen. Denn jetzt weiß ich, was für eine Arbeit dahinter steckt, bis ein Moped so dasteht, dass ein Fahrer eine gute Zeit damit fahren kann. Und das ist mehr Arbeit als man denkt.»

 

 

Foto: © Lukas Maderner, Bike & Business

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