Benny Wilbers: «Wir können zur Top-Serie in Europa werden»

Knapp zwei Wochen vor dem ersten Einsatz in der SUPERBIKE*IDM mit seinen beiden Fahrern Bastien Mackels (Belgien/Superbike) und Colin Rossi (Schweiz/Superstock 1000) ist Teamchef Benny Wilbers vom Team Wilbers-BMW-Racing tiefenentspannt. «Nein, von Panik keine Spur», versichert er. «Wir sind ein eingespieltes Team und wir kennen unsere Motorräder.»

Nach den Testfahrten in Spanien gab es im März im BMW-Team noch einen kurz entschlossenen Fahrerwechsel. Statt des Australiers Jed Metcher greift Bastien Mackels in der Superbike-Klasse an. Mackels kennt sich mit der BMW S 1000 RR bereits bestens aus. Zwei Jahre lang war er als Teamkollege vom jetzigen Superbike-WM-Piloten Markus Reiterberger unterwegs. Planänderungen bei seinem persönlichen Sponsor hatten den Belgier zu Beginn des Jahres auf Arbeitssuche geschickt. Im Team Wilbers-BMW-Racing konnte er den frei gewordenen Platz übernehmen.
«Wir sind froh», versichert Wilbers, «dass es mit Bastien geklappt hat. Sein ehemaliger Teamchef Werner Daemen hat uns dabei kräftig unter die Arme gegriffen. Ich habe okay dazu gesagt und bei uns muss Bastien kein Geld mitbringen, sondern kann im Gegenteil noch etwas verdienen. Ich werte ihn als feste Größe in der SUPERBIKE*IDM. In den letzten Jahren musste er die Aufmerksamkeit im Team mit Markus Reiterberger teilen. Bei uns ist er alleine die Nummer 1. Werner Daemen war sich bewusst, dass er sich und seinem Team einen kleinen Nachteil verschafft. Denn unser Fahrer kann seinen auch schlagen. Aber es war jetzt eine vernünftige Lösung und ich freue mich darüber. Doch so schnell kann es gehen. Wenn ein guter Fahrer kein Geld hat, kann auch er auf der Strecke bleiben.»
Gemeinsame Testfahrten mit dem Team Wilbers-BMW-Racing und Bastien Mackels gibt es erst am kommenden Wochenende auf dem Nürburgring. Doch Mackels hat bereits den Langstrecken-WM-Lauf in Le Mans hinter sich gebracht und dürfte nach dem 24 Stunden Einsatz inzwischen gut eingefahren sein. Gewöhnen muss sich Mackels an die Elektronik der Wilbers BWM, doch der Teamchef glaubt fest an die Qualitäten seines Schützlings und sieht darin keine grössere Hürde.
Neu im Team werden die Reifen sein. Nach einem Jahr bei Reifenhersteller Pirelli geht das Team mit Mackels und Rossi nun auf Dunlop-Reifen ins neue SUPERBIKE*IDM-Jahr. «Ja wir sind wieder zurück bei Dunlop», so Wilbers, «und wir freuen uns alle drauf. Wir haben das neue Produkt bereits ausgiebig getestet. Es wird sicherlich Rennen geben, bei den Pirelli unschlagbar sein wird, aber genauso gibt es Rennen, bei denen Dunlop unschlagbar ist. Ich freue mich und befürworte diesen Wettbewerb. Das Fehlen von Einheitsreifen macht die SUPERBIKE*IDM zu etwas besonderem.»
Wenn es um das Herausstellen der positiven Seiten der SUPERBIKE*IDM geht, war Benny Wilbers schon immer einer der Wortführer. «Wenn ich sehe», urteilt er, «dass in der Superbike-WM mit Reiterberger und Fores zwei ehemalige IDM-Piloten vorne mitmischen, kann die SUPERBIKE*IDM das Sprungbrett in die WM sein. Vom Reglement her sind wir nicht weit weg. Das kann die oft so hoch gelobte Britische Superbike-Meisterschaft nicht bieten. Aus meiner Sicht ist der Weg der SUPERBIKE*IDM der richtige und wir sollten daran festhalten. Damit können wir langfristig betrachtet in Europa zur Top-Serie werden.»
Mit dem 18-jährigen Colin Rossi aus der Schweiz, nicht verwandt und nicht verschwägert mit Valentino Rossi, setzt man im Team Wilbers-BMW-Racing auch auf Nachwuchs. Rossi war bereits im Junior Cup und im Yamaha-R6-Dunlop-Cup unterwegs. «Beim Test hat er das gut gemacht», erklärt sein neuer Teamchef. «Er war drei Tage unterwegs, ohne grobe Fehler. Am Ende fuhr er Zeiten wie Jed Metcher mit dem Superbike. Spaß haben und lernen muss Rossis Devise lauten. Er muss das Motorrad besser verstehen lernen und noch etwas an seiner Linienwahl arbeiten.» Rossi macht derzeit noch eine Lehre als Landschaftsgärtner. Vom Team um Technik-Chef Burkhardt Stember bekommt der Teenager daher noch ein paar Übungseinheiten in Sachen Technik verpasst. Begleitet wird Rossi von seinen Großeltern. Rossi senior wird auch im als Mechaniker im Team integriert. «Es ist für so junge Leute wichtig, ein vertrautes Gesicht in ihrem Umfeld zu haben», glaubt Wilbers.
Das Team Wilbers-BMW-Racing konzentriert sich neben dem reinen Rennsport auch auf Entwicklungsaufgaben. «Wir sind da für BMW direkt, für ZF und für Dunlop unterwegs», erklärt Wilbers. «Das machen wir auch oft außerhalb der SUPERBIKE*IDM-Wochenenden. Aber wir haben dann mit den Daten aus der SUPERBIKE*IDM immer einen direkten Vergleich. Mit Bastien Mackels haben wir den richtigen Mann für diese Aufgabe.»

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